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Wie erfährt Amnesty von Folter?
Die größte Menschenrechtsorganisation der Welt berichtet weltweit
von Menschen, die unschuldig eingesperrt, gefoltert oder getötet
werden. Aber wie kommt Amnesty International an diese Informationen?
"Sie haben mich an den Haaren gezogen und meinen Kopf gegen die Wand
geschlagen. Ich weiß nicht genau, was alles in diesen acht Stunden
mit mir geschehen ist. Ich kann mich nur erinnern, dass mein Körper
starr vor Angst war." Misshandlung, Folter, Mord bekommen in
Protokollen von Folteropfern eine Stimme. Amnesty International
berichtet von einzelnen, oft tragischen, Schicksalen, gibt ihnen ein
Gesicht und einen Namen. "Jeden Morgen und Abend wurden wir
geschlagen, manchmal haben sie einige Gefangene mitgenommen, die
kamen nie wieder zurück."
Woher weiß Amnesty, dass in Syrien ein Gefangener gefoltert wird?
Dass im Iran ein Jugendlicher hingerichtet werden soll? Dass die USA
Terrorverdächtige in Geheimgefängnisse verschleppen?
80 Ermittler im Namen der Menschlichkeit
Insgesamt 80 so genannte "Researcher" – Ermittler – sammeln und
bewerten Informationen über die Menschenrechtssituation in ihrer
jeweiligen Region und dokumentieren die Ergebnisse in Berichten, wie
dem Amnesty-Report. Sie sprechen mit Opfern von
Menschenrechtsverletzungen, ihren Angehörigen, mit Anwälten,
Journalisten oder Nichtregierungsorganisationen.
Bevor ein Amnesty-Ermittler in ein Land einreist, wird die jeweilige
Regierung informiert. Nur wenige Staaten wie Myanmar oder China
verbieten den Researchern die Einreise. In diesen Fällen befragt
Amnesty Menschenrechtler, die vor Ort sind, oder Flüchtlinge.
Sobald Amnesty von Menschenrechtsverletzungen erfährt und sich zum
Anwalt eines Inhaftierten macht, setzt die Organisation ihre
stärkste Waffe ein: öffentlichen Druck. In der Amnesty-Zentrale in
London wird koordiniert. Dort sitzen neben den Researchern auch die
so genannten Campaigner, die die gewonnen Informationen in Kampagnen
wie "Gold für Menschenrechte" für China oder "Tear it down" zur
Schließung Guantanamos umsetzen. Die Medien werden unterrichtet. Mit
Aktionen, Info-Ständen, Protestschreiben oder
Diskussionsforen erregt Amnesty Aufmerksamkeit.
Der jährliche Seufzer
Besonders groß ist diese Aufmerksamkeit einmal im Jahr, wenn Amnesty
seinen Jahresbericht vorlegt. "Furchtbar, was in der Welt passiert,
da müssen wir doch was unternehmen." Einmal im Jahr ist das
Entsetzen groß. Aber passiert dann auch wirklich etwas? Wie
erfolgreich ist Amnesty seit seiner Gründung vor 48 Jahren?
"Unsere Kampagnen-, Lobby-, und Aktionsarbeit hat einen wichtigen
Beitrag dazu geleistet, dass es seit 1987 eine internationale
Anti-Folter-Konvention, seit 2002 einen internationalen
Strafgerichtshof und seit 2006 einen UNO-Menschenrechtsrat gibt",
schreibt Amnesty-Deutschland auf seiner Homepage.
Es sind einzelne, politische Gefangene, die Amnesty vor der
Todesstrafe rettet oder durch öffentlichen Druck aus dem Gefängnis
befreit. Allerdings kommt auch die größte Menschenrechtsorganisation
der Welt immer wieder an ihre Grenzen: Auch sie konnte
beispielsweise 1994 nicht das Massaker in Ruanda verhindern. Und
auch heute weiß niemand, wie viele Menschen gefoltert oder
hingerichtet werden, von denen Amnesty nie erfahren wird.
Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Kay-Alexander Scholz
quelle: DW
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